Wir waren wie viele andere auch Geschädigte der AirBerlin Pleite.

Mit einem Unterschied, ich habe wenigstens versucht mich dagegen zu wehren, leider am Ende ohne Erfolg!

Uns hat die Air Berlin Pleite insgesamt etwa 6000-7000 Euro gekostet. Dazu noch einen Haufen Ärger und Stress. Ich habe viele Politiker angeschrieben, mit der Presse, den Medien, dem Justiz Ministerium, dem Insolvenz Verwalter usw. telefoniert. Als ich auf dem Weg nicht weiterkam, habe ich eine Anzeige wegen Verdacht auf Betrug und Insolvenzverschleppung gegen den Air Berlin Vorstand und den Verdacht auf Mithilfe gegen die Bundesregierung und den Lufthansa Vorstand erstattet. Die Anzeige habe ich selber verfasst und bei der Polizei vor Ort abgegeben. Einige Wochen später erfuhr ich, dass diese zur nächstgelegenen Staatsanwaltschaft weitergeleitet wurde. Von dort ging sie nach einiger Zeit zur letztendlich zuständigen Staatsanwaltschaft Berlin. Von dieser bekam ich dann etwa 2–3 Monate nach Erstattung der Anzeige bei der Polizei, die Mitteilung, dass die Anhaltspunkte, die ich in der Anzeige geschildert habe nicht für eine Anklage ausreichen. Als ich dann mit der zuständigen Staatsanwältin telefonierte habe, bekam ich die gleiche Aussage von ihr am Telefon, mit dem Zusatz, wenn ich nicht damit einverstanden bin, würde es mir frei stehen gegen sie eine Dienstaufsichtsbeschwerde bei der zuständigen Stelle einzureichen. Was ich natürlich nicht gemacht habe. Was hätte es mir gebracht, noch mehr Aufregung und Stress und am Ende wäre sowieso nichts dabei herausgekommen. Wenn alle ca. 100.000 Geschädigte zusammen etwas unternommen hätten, aber ich alleine. Es ist wie immer, die Kleinen hängt man und die Großen lässt man laufen.

Letztendlich blieb mir nichts anderes übrig, als meine Forderungen beim Insolvenz Verwalter geltend zu machen. Was wiederum ein Haufen Papierkram war und wo am Ende in ein paar Jahren, wenn die Insolvenz abgewickelt ist, wahrscheinlich kein Euro für uns Normalbürger rauskommt. Langsam Frage ich mich in was für einem Land leben wir eigentlich?

Ich habe an folgende Politiker geschrieben:

Außenminister Gabriel, Frau Bundeskanzlerin Merkel, an die Abgeordneten Herrn Gysi, Herrn Hofreiter, Herrn Oezdemir, Herrn Opperman, Frau Ministerin Zypries, Frau Wagenknecht, Frau Woehrl, Bundesminister Dobrindt, Herrn Bosbach, Herrn Lindner und den Insolvenz Verwalter Herrn Kebekus.

Christian Lindner hat als erster persönlich geantwortet, außerdem Wolfgang Bosbach und Gregor Gysi.
Frau Bundeskanzlerin Merkel, Außenminister Gabriel, Bundesminister Dobrindt, Frau Ministerin Zypries, Herr Oppermann und Herr Hofreiter haben antworten lassen.

Sehr geehrter Herr Außenminister Gabriel,

was macht die Bundesregierung für die mehr als 100.000 Air Berlin Kunden, Steuerzahler und Wähler, denen die Langstreckentickets einfach storniert wurden und die am Ende, die einzigen sind, die wieder mal leer ausgehen sollen?

Wir sind geschädigte der Air Berlin Insolvenz, bzw. der Streichung der Langstreckenflüge. Wir, das sind meine Frau Elena und mein Sohn Nico. Mein 9-jähriger Sohn Nico hatte bisher 3 schwere Herzoperationen in Kiel, ende Januar 2018 stehen die nächsten Untersuchungen dort an.
Deshalb haben wir natürlich schon genug Sorgen und Probleme, jetzt kommt auch noch die Air Berlin Insolvenz dazu.

Wir haben für Weihnachten drei Flüge von Düsseldorf nach Orlando und für die Sommerferien drei Flüge nach Toronto gebucht. Man weiß ja nie, wie es mit Nico weitergeht, deshalb versuchen wir natürlich so viel wie möglich mit ihm zu unternehmen. Dabei gehen so langsam auch die Ersparnisse drauf. Diese sechs Flüge haben wir in Eco für ca. 3000 Euro gebucht und drei davon mit 150.000 Topbonusmeilen in Business-Class upgegradet. Dazu kommen Hotel- und Mietwagen Buchungen und Tickets für Sea World in Orlando und Hotelbuchungen am Düsseldorfer Flughafen, für zusammen ca. 6000 Euro, die nicht mehr stornierbar sind. Das heißt, wir verlieren entweder ca. 9000 Euro und 150.000 Meilen, oder wir müssen nochmal neue Flüge buchen, die zurzeit zwischen 8000 – 10000 Euro kosten würden. Also wären ca. 9000 Euro sowieso verloren.

Da es ja angeblich ca. 100.000 Kunden gibt, die genauso wie wir von der Langstreckenstreichung betroffen sind und wir sprechen hier sicher über eine Gesamtsumme von weit über 100 Millionen Euro. Ich wundere mich doch sehr, dass sich dafür so keiner wirklich interessiert. Ich verstehe nicht, wieso kein Vertreter der geschädigten Kunden mit am Gläubigertisch sitzt und unsere Interessen vertritt. Ich verstehe auch nicht, wieso unsere Kundengelder in die Insolvenzmasse fließen, oder von Air Berlin zur Deckung ihrer Schulden zweckentfremdet wurden. Das ist für mich Betrug, darauf werde ich später nochmal genauer eingehen.

Ich verstehe auch nicht, wieso die Bundesregierung mit 150 Millionen den Flugbetrieb sichert, aber das Geld an erster Stelle zurückbekommt. Dann gibt es in den Medien die Information, dass die Kunden bei der Insolvenzmasse am Ende der Gläubigerkette stehen. Wieso? Darlehensgeber, Aktionäre und andere Geschäftsleute können ihre Verluste steuerlich beim Finanzamt geltend machen und erhalten so einen Verlustvortrag, der in demselben Jahr, oder den Jahren darauf gegen Gewinne aufgerechnet wird. Soviel zu der Aussage unserer Kanzlerin Frau Merkel, die 150 Millionen sind gesichert und die Steuerzahler werden mit der Insolvenz nicht belastet. (wie schon so oft, mal wieder die Unwahrheit) Alle Verluste die beim Finanzamt abgeschrieben werden, bedeuten auf der anderen Seite verlorene Einnahmen für den Staat, bzw. für die Steuerzahler, abgesehen davon sind die 100.000 Kunden auch Steuerzahler und auch Wähler.

Die Air Berlin Kunden bleiben auf ihren Verlusten und noch zusätzlichen Kosten sitzen. Was hat das noch mit Gerechtigkeit zu tun? Soviel zu unserem Rechtsstaat.

So wie ich das sehe, ist Lufthansa der große Gewinner der Air Berlin Insolvenz. Ich denke, es wäre nicht zu viel verlangt, dass man LHA dazu auffordert, oder dies als Bedingung in die Verträge aufnimmt, dass die nicht durchgeführten Tickets der Kunden ihre Gültigkeit behalten und von LHA durchgeführt werden müssen, gegebenenfalls mit einem gewissen Aufschlag. Was sicher auch für Lufthansa positive Vorteile bringen würde, Gewinn von Neukunden, keine Klagen vor Gericht, positives Echo in der Bevölkerung und in den Medien.

Vor allem, wenn man sich mal anschaut, was in den letzten 12 Monaten passiert ist. Im Oktober 2016 hatte Lufthansa massive Probleme, nach ständigen Streiks der Piloten, Crews und des Bodenpersonals in den letzten Jahren, ging der Börsenkurs auf Talfahrt und stoppte erst bei ca. 9 Euro. Danach kamen die ersten Gerüchte, LHA sei an einer Übernahme, oder Teilübernahme der schon seit Jahren schwer angeschlagenen Air Berlin interessiert. Es wurden Verhandlungen mit dem Großaktionär Etihad aufgenommen. Ich möchte jetzt nicht alle Einzelheiten auflisten. Im Februar wechselt Herr Winkelmann nach ca. 19 Jahren, bei der Lufthansa in hohen Manager Positionen tätig, zur Air Berlin. Der Airline, der das Wasser schon seit Jahren bis zum Hals steht und an deren Konsolidierung sich zuvor schon viele andere die Zähne ausgebissen haben. Dazu noch, laut Medien, Duzfreund von Herrn Spohr dem Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa. Kein normaler Mensch gibt so einen Posten auf und wechselt ohne Grund zu dieser Pleite Airline. Das wird spätestens klar, nachdem er sich sein Gehalt für die nächsten Jahre über bis zu 4,5 Millionen, per Bankgarantie abgesichert hat, oder sich hat absichern lassen! Ein Hohn, das hätte man lieber mit den Kundengeldern für die Flugtickets machen sollen!

Dann kommen am 18. Mai vier neue Manager ins Board of Director, mit Herrn Knight und Herrn zur Hausen zwei von Etihad, wobei Herr Henning zur Hausen zufällig Managererfahrung bei der Lufthansa AG und bei der Lufthansa Cargo hatte. Außerdem noch Herr Thilo Schmidt vom Bundesverkehrsministerium für Luftfahrt, das ist doch kein Zufall mehr. Hier wurde mit ziemlicher Sicherheit schon seit Monaten die Air Berlin Insolvenz und die Übernahme durch die Lufthansa unter Mitwirkung von Etihad und der Bundesregierung vorbereitet! Man kennt es ja langsam wie abgehoben eine gewisse, vermeintliche Elite, in Deutschland denkt, sie stehen über allen, klüngeln mit den Volksvertretern in der Regierung, auf unsere Kosten, ob Deutsche Bank, VW u. a.
 
Jetzt versucht man noch billig an die Langstrecke zu kommen, nachdem man ja scheinbar schon fast sicher die Filetstücke der Kurz- und Mittelstrecke erhalten hat. Indem man einen Teil der Strecken die Air Berlin angeflogen hat, in den USA und in der Karibik, ab Herbst zusätzlich anbietet und dafür bereits die Piloten, Crews und Maschinen sucht, um so einmal die Kosten für die Übernahme der teuren Langstrecken von Air Berlin zu sparen, auf unsere Kosten und gleichzeitig weniger Probleme beim Kartellamt zu bekommen, man hat ja dann nicht die komplette Airline übernommen.

Deshalb werde und wegen mein Sohn kann ich auch nicht darauf warten, dass am Ende von der Insolvenzmasse, wenn überhaupt, nur noch ein paar Euro an die Kunden zurückfließen.

Sollte Lufthansa sich nicht bereit erklären die stornierten Air Berlin Tickets zu übernehmen und gegebenenfalls gegen einen vertretbaren Aufschlag auszuführen, werde ich im Laufe der nächsten Woche Anzeige mit Verdacht auf Betrug und Insolvenzverschleppung gegen den Air Berlin Vorstand und den Verdacht auf Mithilfe gegen die Bundesregierung und den Lufthansa Vorstand erstatten.

Noch kurz warum auch Betrug bei der Air Berlin. Wir haben unsere Flüge nach Toronto am 7. August gebucht. Eigentlich hatten wir keinen Plan nach Kanada zu fliegen. Aber es kamen zwei Gegebenheiten zusammen, einmal wollte Air Berlin zum 1. September die Topbonus Meilen teilweise entwerten, außerdem gab es am 04.08. ein kurzfristiges Angebot für zwei neue Strecken, nach Chicago und nach Toronto mit einem Rabatt von 100 Euro pro Person, unter der Voraussetzung, dass man für jedes Familienmitglied einzeln bucht und mit Giropay oder SOFORT ÜBERWEISUNG bezahlt. Dieses Angebot war gerade mal für 5 Tage bis zum 09. August gültig, zufälligerweise gerade der Tag an dem Etihad seinen Zahlungen nicht mehr nachgekommen ist. Wäre das Rabattangebot nicht gekommen, hätte ich mit meiner Buchung noch bis kurz vor Ende August gewartet. Hier hat Air Berlin noch kurzfristig versucht an Kundengelder zu kommen, um die laufenden Kosten sicherzustellen.

Da sind nicht nur wir sicher, sondern auch die Mitarbeiter vom Wirtschafts- und Justizministerium, sowie die Rechtsanwälte für Insolvenzrecht und die Reporter, mit denen ich gesprochen habe. Man hat mir auch ziemlich einheitlich zu der Strafanzeige geraten.

Giropay und SOFORT ÜBERWEISUNGEN kannte ich vorher nicht, normal bezahle ich immer mit Kreditkarte, jetzt weiß ich es besser, das Geld geht von meinem Konto direkt auf das Konto von Air Berlin. Hätte ich mit der Kreditkarte bezahlt, hätte ich mir das Geld noch zurückbuchen lassen können.

Sehr geehrter Herr Außenminister, ich hoffe, Sie können in den Verhandlungen der nächsten Tage auch noch etwas für die 100.000 Air Berlin Kunden mit stornierten Tickets erreichen.

Es wäre nett, wenn mein Brief an Sie nicht unbeantwortet bliebe. Vielen Dank für Ihre Bemühungen.

MfG. Jürgen Peters.

Auch Grüße von Elena und Nico.

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