SZ Testsysteme AG mein größter Gewinn und meine schlimmste Pleite.

Eigentlich sollte man nie alles auf eine Karte, bzw. eine Aktie setzen, das war immer mein Grundsatz. Gegen diesen habe ich damals beim Kauf von SZ Testsysteme AG ein einziges Mal verstoßen. Was am Anfang ein Riesenglück war, aber letztendlich ein böses Ende nahm.

SZ Testsysteme AG war ein Hersteller von Testgeräten für die Halbleiterindustrie, mit Hauptsitz in Amerang bei Wasserburg. Die Aktien wurden 1999, wenn ich mich richtig erinnere zu 12 Euro, an die Börse gebracht und im Neuen Markt gehandelt. Der Börsengang lief nicht so gut für das Unternehmen und der Kurs fiel Richtung 9 Euro. Nachdem ich mich schon vor dem Börsengang intensiv mit dem Unternehmen beschäftigt hatte, habe ich den Entschluss gefasst, mein komplettes Barvermögen, was ich über die vorangegangenen 19 Jahre an den Börsen verdient habe, auf diese eine Aktie zu setzten. Einerseits war es natürlich ein ziemliches Risiko, da ich zu der Zeit schon seit über 10 Jahren nicht mehr gearbeitet habe, andererseits hatte ich mein abbezahltes Haus und immer noch Gewinne aus laufenden Börsenspielen als Absicherung.

Also habe ich nach und nach zu Tiefstkursen zirka 100.000 Aktien von diesem Unternehmen gekauft. Am 22. Februar 2000 war ich dann auf der Hauptversammlung in Amerang. Da ich inzwischen einer der größten Einzelaktionäre war, bekam ich eine private Führung durch alle Abteilungen in dem ganzen, wirklich beeindruckenden und supermodernen, Unternehmen. Nach der Hauptversammlung saß ich dann noch länger mit dem Vorstand zusammen. Auch in der Zeit danach hatte ich regelmäßig telefonischen Kontakt mit Frau Ellen Hell, die für den Bereich Investor Relations zuständig war.

Das Jahr 2000 lief hervorragend für SZ Testsysteme und durch die steigenden Aktienkurse natürlich auch für mich. Im Frühjahr hatte ich endlich nach 20 Jahren Börsenhandel meine erste Million Euro verdient, für die zweite brauchte ich dann nur noch 6 Monate. Ende 2000 lief dann auch die 12 monatige Haltefrist für mich bei SZ Testsysteme aus, sodass ich den Gewinn ab jetzt steuerfrei vereinnahmen konnte. In 2001 habe ich alle Aktien verkauft und hatte den Plan in die USA auszuwandern. Zu dieser Zeit konnte man extrem günstige Grundstücke in Cape Coral Florida kaufen und ich sah darin meine Geldanlage für die nächste Zukunft. Die Lust am Börsenhandel war auch durch die vielen Börsenspiele, die ich nebenbei sehr intensiv gemacht habe, von denen ich auch 25 gewonnen habe, so langsam vergangen.

Leider lief dann alles etwas anderes als geplant. Ich war mit meiner Exfrau und einem meiner Sohn in Florida um den Hausbau mit dem Makler zu planen. Nachdem mein Sohn sagte, hier gehe ich nicht zur Schule, war die Antwort von meiner Ex, dann gehe ich nicht nach Amerika. Mein Plan war aber weiterhin ins Ausland auszuwandern. Die nächste Reise ging nach Kapstadt, ich hatte zwischenzeitlich dort schon allein in drei Immobilien investiert, später dazu mehr. Dort lief es etwas anders, meinem zu der Zeit jüngsten Sohn hat die Deutsche Schule in Kapstadt gut gefallen. Aber meiner Frau gefiel nur das Wetter. Wir haben dann noch einen letzten Versuch in Spanien bei Denia gemacht. Die englische Schule gefiel meinem Sohn, aber auch daraus wurde nichts. Ich habe mir dann als alternative eine Villa in Gemmerich in der Nähe von Koblenz gekauft, so war ich fast genau in der Mitte zwischen dem Flughafen in Frankfurt und dem in Düsseldorf. Sodas ich jederzeit schnell mal für mehrere Wochen ins Ausland fliegen konnte.

Ich habe zwar weiter in Cape Coral, Florida Grundstücke gekauft, aber dummerweise auch wieder mit dem Börsenhandel angefangen. Da ich mit SZ Testsysteme in den 2 Jahren zuvor extrem gut verdient hatte, habe ich wieder eine Million in das Unternehmen investiert. Da der Kurs inzwischen sehr viel niedriger lag, konnte ich mir zirka 200.000 Aktien kaufen. Ich hatte auch weiterhin telefonischen Kontakt mit dem Vorstand und Frau Hell. Inzwischen war Herr Wittl der neue Finanzvorstand bei SZ Testsysteme. Da ich im März 2002 nicht zur Hauptversammlung nach München kommen konnte, war ich etwas später in Amerang um mir ein Bild von dem neuen Finanzvorstand zu machen und mir gleichzeitig die neuen Produktionsgebäude anzuschauen. Ich hatte dann auch ein längeres Gespräch mit Frau Hell und Herrn Wittl. Ehrlich gesagt, hatte mir der alte Finanzvorstand besser gefallen und ich hatte so ein komisches Gefühl, das irgendwas Unangenehmes bevor steht. Ich kann nicht sagen warum.

Wer sich mit dem Halbleitermarkt etwas auskennt, weiß, dass dieser in Zyklen verläuft und immer wieder eben auch einmal schwachen Phasen kommen, was auch letztendlich wahrscheinlich SZ Testsysteme das Genick gebrochen hat. Ich weiß nicht, wessen Idee es gewesen ist, eine neue noch größere Produktionshalle zu bauen, gerade in den Zeitraum wo wieder mal ein Abwärtszyklus im Halbleitermarkt anstand.

Jedenfalls habe ich meine Aktien vorsorglich an der Börse verkauft, weil ich das Gefühl hatte, dass diese Investition zum falschen Zeitpunkt, finanzielle Probleme bringen wird. Tags darauf klingelt bei mir das Telefon und Frau Hell aus der Investor Relations Abteilung ist am Apparat. Sie sagte, aufgrund der außergewöhnlich hohen Verkäufe in SZ Testsysteme AG habe sie an der Börse angerufen und dort die Information bekommen, das die Verkäufe von einem Kunden von Cortal Consors kommen. Da sie ja wisse, dass ich bei der Bank Kunde bin, fragte sie, ob ich meine Aktien verkauft hätte.
In dem Moment hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich in den Jahren vorher sehr gut mit SZ verdient hatte, also sagte ich, nein ich habe noch alle Aktien. Ich kann ihnen gerne einen Depotauszug von mir Faxen. Ich weiß nicht was mich da geritten hat, manchmal kann einem zu viel Anstand das Genick brechen. Jedenfalls habe ich idiotischerweise in den nächsten Tagen wieder alle Aktien zurückgekauft, um dann einen Depotauszug nach Amerang zu schicken. Dieselbe Geschichte ist dann noch ein zweites Mal passiert. Wieder hatte ich verkauft, weil ich fest davon überzeugt war, dass die Kurse stark fallen werden. Wieder klingelt das Telefon, wieder Frau Hell, mit der Information von der Börse, dass der Verkäufer von Cortal Consors sein muss. Wieder kaufe ich zurück. Aus heutiger Sicht, frage ich mich, wie naiv bin ich da nur gewesen, es musste mir doch klar sein, dass natürlich auch die Käufe an den Tagen darauf bei SZ aufgefallen sein müssen. Da ich ja zu dem Zeitpunkt über 200.000 Aktien gekauft habe. Die Hauptfrage, die sich mir allerdings stellt, von wem an der Börse hat Frau Hell die Information bekommen, von welcher Bank der Käufer sein muss. Wodurch sie letztendlich auf mich kommen konnte. Da ich davon ausgehe, dass die Handelsüberwachung in Frankfurt nicht die Information verbotenerweise weitergegeben hat, kommt eigentlich nur noch einer der Makler dafür infrage. Diese Weitergabe einer Information, die sicher nicht rechtens war, hat mich letztendlich fast eine Million Euro gekostet. Wieso das werden sie gleich erfahren.

Als die Kurse tatsächlich, wie von mir erwartet weiter fielen, habe ich mehrfach bei SZ Testsysteme angerufen und mit dem Vorstandsvorsitzenden Herrn Zapf, dem Finanzvorstand Herr Wittl und Frau Hell gesprochen. Bis zum Schluss hieß es kein Risiko für die Aktionäre, wir haben neue Kunden und größere Aufträge in Sicht, im schlimmsten Fall würde die AG in kleinem Stil weitergeführt. Ich war so naiv und habe die Geschichten geglaubt und die Aktien immer wieder zurückgekauft.
Im November 2002 bin ich dann auf Weltreise gegangen. Als ich nach ein paar Wochen gerade im Hotel in Chile angekommen bin klingelt das Telefon, es war meine damalige Frau, sie fragte mich, hast du schon gehört, SZ Testsystem ist in Insolvenz gegangen. Das war Finanziell der schwärzeste Tag in meinem Börsenleben. Auf einen Schlag war mit einer Million, die Hälfte meines Vermögens verloren und das Dank der Anrufe von Frau Hell und der illegalen Weitergabe von Kunden bzw. Bankinformationen an der Frankfurter Börse und natürlich auch meiner eigenen Dummheit die Aktien immer wieder zurück zukaufen.
Tatsache ist jedenfalls, hätte Frau Hell die Information von der Frankfurter Börse nicht bekommen, wäre sie nicht auf die Idee gekommen, bei mir anzurufen und ich wäre nicht in die Verlegenheit gekommen die Aktien wieder zurückzukaufen.

Letztendlich war die Pleite, die Abwicklung der Insolvenz auf Kosten der Aktionäre und die Weiterführung in einer Auffanggesellschaft durch den ehemaligen Finanzvorstand Herrn Penner schon alles etwas merkwürdig.

Aber es sollte nicht der letzte Verlust sein der mir durch Falschinformationen, Marktmanipulation, illegaler Weitergabe von Kundendaten und aus meiner Sicht kriminellen Kursspannen an den deutschen Börsen entstehen sollte.

 

 

 


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